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Sep 13

Tripy 2 – Das Navigationsgerät, das anders ist

tripy-frame

Das richtige Navi zu finden ist im Motorradbereich, mangels Angebot gar nicht so schwer. Eigentlich sind es hauptsächlich zwei Firmen, die hart gegeneinander Kämpfen: Garmin und TomTom. Und dann gibt es noch Exoten, zu denen das Tripy 2 zählt.

 

Mit diesem Artikel, möchte ich euch einen besseren Blick auf das Tripy 2 ermöglichen.

 

Anders

 

Das Tripy ist anders und funktioniert anders, als die anderen Navis. Das kann man sich kaum vorstellen, wenn man ständig, von PKW bis Motorrad, mit den Klassikern beglückt wird. Das erste, was sofort auffällt ist, dass es ein schwarz/weiss LCD Display hat, so wie früher die Mobiltelefone. Dies hat zwei entscheidende Vorteile: Sehr viel weniger Energieverbrauch (ca. 20h Akkulaufzeit, würde ich schätzen) und man kann es auch bei starker Sonneneinstrahlung noch gut ablesen.

 

Es gibt hier wohl zwei Bereiche, die das Tripy zum elementaren Bestandteil der Navigation macht: Roadmapgrafiken und Streckenübersicht. Das klingt jetzt erst mal so, als kann das ein anderes Navi auch – ist auch nicht ganz falsch – aber eben nicht im Fokus.

 

Roadmapgrafiken

 

tripy-tuple1Nach dem Motto, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, zeigt einem das Tripy groß in der Fahrtansicht ein Symbol, das an Verkehrszeichen aus den USA, Australien usw, erinnert. Zum Beispiel ein Pfeil, der an einem Kreisverkehr rechts abzweigt. Und sonst keine Karte. Das Konzept ist einfach und funktioniert gut, ausser wenn man in der Stadt ist und Straßen eng beieinander liegen oder innerhalb der nächsten 200 Meter ein komplizierteres Manöver folgt, denn da ist eine Karte hilfreicher. Einige hundert Meter vor einer Abzweigung gibt es ein Piep und in der Nacht geht die Beleuchtung kurz an. Das Signal hört man aber nicht immer gut. Ein optionales Flackern, als Warnung, wäre vielleicht eine nette Ergänzung.

 

Streckenübersicht

 

tripy-map1Klingt auch wieder gewohnt, ist aber hier eine wählbare Fahrtansicht, wobei die meisten anderen Navis, das als Menüpunkt haben, den man mal vor der Fahrt ansieht. Auch in der  Bedienung unterstützt die Nutzung der Streckenübersicht, als Teil der Live-Navigation, den Fahrer. Insbesondere, wenn man das optionale Zubehör der 3-Tasten-Fernbedienung hat, wird es klasse. Ein Druck auf eine Taste am Lenker und die Vogelperspektive zeigt mir, wo ich bin. Mit den anderen Tasten kann ich nun den Radius einstellen. Und es funktioniert auch über tausende Kilometer noch live. Ein Kreis zeigt einen Radius an, an dem ich in etwa die Entfernung schätzen kann, die ein Routenpunkt hat. So kann ich sofort erkennen, wie weit ich von der geplanten Strecke entfernt bin.

 

Zusatzinformationen

 

tripy-trackright1Auf der rechten Seite wird in der Ansicht der Roadmapgrafiken, immer ein breite Spalte mit diversen Zusatzinformationen angezeigt. Diese kann man wechseln, auch mit der Fernbedienung. Darin sieht man beispielsweise Distanz zum Ziel oder Tankstelle (sofern festgelegt). Meine Lieblingsanzeige ist da jedoch eine Draufsicht auf den kleinen Routenabschnitt, an dem man sich befindet. Damit erkennt man gleich, wie die Strecke die nächsten und letzten paar hundert Meter aussieht.

 

Route

 

Hier kommt ein wesentlicher Punkt des Tripy zur Geltung; die geplante Route hat meines Wissens keine Begrenzung an Wegpunkten. Mein TomTom verkraftet nur ca. 50, womit es für mich, zur Planung, ausscheidet. Gegenwärtigt fahre ich eine Strecke mit knapp 400 Wegpunkten und ca. 2500 Vektorpunkten. Ein Wegpunkt z.b. eine Abbiegung, also ein Punkt mit einer Entscheidung und die Vektorpunkte braucht man, um die Route als Spur auf der Straße zu halten. Solche großen Routen sind für das Tripy kein Problem.  Ein besonderes Highlight im Tripy ist der Planungsmodus „grüne Route / Touristenroute“ genannt. Hier wird eine landschaftlich schöne Strecke berechnet. Und ja, das funktioniert wirklich. Ich habe selbst in einer Gegend, in der ich oft unterwegs war, plötzlich neue Orte und Straßen entdeckt, die echt schön sind.

 

Offroad

 

Hier bietet das Tripy die sogenannten Funkfeuer an. Wenn man für ein Stück ohne klaren Weg das Roadbooksymbol nicht sehen möchte, sondern einen Kompass, kann dies für einen Abschnitt bei der Planung so festgelegt werden. Der Kompass zeigt dann auf die Wegpunkte, hier Funkfeuer genannt.

 

Ziele Unterwegs

 

Auch mit dem Tripy kann man Unterwegs einfach eine Adresse angeben und es wird eine Route erstellt, die zum Ziel führt. Wobei „Adresse“ nicht so ganz umgesetzt wurde, es ist nicht möglich Hausnummern einzugeben. Für jeden Lieferanten, ein no-go. Und die angepriesene Abdeckung „Europa“, umfaßt nicht alles, was man heute als Europa kennt. Zum Biespiel fehen die osteuropäischen Länder, wie Polen, Tschechien usw. Hier wird eine spontante Berechnung, unterwegs, unmöglich. Mit Planung am PC geht es dann aber doch (dazu später mehr). Das Navi kann hier grundsätzlich in zwei Varianten eingestellt sein: Neuberechnung der Route, wenn man diese verlässt oder, diese so lassen, wie ursprünglich geplant.

 

Verlassen der Route

 

tripy-leave-route2Nun kommen wir zu einem weiteren entscheidenden Punkt im Verhalten des Tripy.

 

Hier erlebt man die Umsetzung der Freiheitsidee an diesem Gerät. Statt die Strecke sofort neuzuberechnen, wird automatisch von der Roadbookgrafik umgeschaltet auf die Kartendarstellung und einem gezeigt, wo man sich relativ zur Route befindet. Selbst bei eingestellter automatischer Neuberechnung, erfogt diese nicht sofort, sondern erst nach (gefühlten) mehreren hundert Metern. Falls die Route vorher am PC geplant wurde, wird diese auch gar nicht verändert und neuberechnet. In der wählbaren Roadbookansicht befindert sich nun ein großer Kompass, der einem den Weg zum nächsten Wegpunkt zeigt, oder einem, den man anwählen kann. Hier wird die Fernbedienung wieder sehr praktisch.

 

Mit der gewonnenen Freiheit kommt auch das Problem: wer nun in eine Sackgasse fährt, dem hilft das Navi nicht raus.

 

Falls dann doch neu berechnet wird, dauert dies für mein Empfinden zu lange. Ein TomTom Urban Rider macht das in einem Bruchteil der Zeit.

 

Planung am PC

 

Generell mal lobenswert, dass hier ein Planungs Tool für den Computer mitgeliefert wird (Road Tracer). Dieses ist jedoch leider nur für Microsoft Windows verfügbar. Als Mac User muss man beispielsweise ein virtualisiertes Windows verwenden (Windows Lizenz erforderlich), aber auch darin funktioniert es relativ gut. Die Planung erfolgt wahlweise mit den gleichen Karten des Navis oder google Maps oder gar selbst eingescannte Bitmap-Grafiken. Bei Verwendung von google, kann die Software die Straßen nicht erkennen, womit man alle Abweichungen selbst definieren muss. Das kann aber auch den Vorteil haben, dass man sich nicht auf die Logik der Software verlässt, was die Bestimmung der besten Route betrifft. Die Handhabung der Software ist leider nicht so toll, wie sie sein könnte. Deswegen verwende ich lieber den online Dienst motoplaner und importiere dann das Ergebnis in die Tripy Software. Auch scheint es für wichtige Funktionen keine Tastenkürzel zu geben, wie das Anlegen eines Wegpunktes etc. Die deutsche Übersetzung ist so schlecht, dass es weh tut und man vielleicht besser ins Englische wechselt. Was toll ist, dass man eigene Roadmapgrafiken erstellen kann und diese werden unterwegs angezeigt. Mit wenig Aufwand könnte der Hersteller daraus eine gute Software machen, aber so bleibt sie eher mittelmäßig.

 

Planung Unterwegs

 

Theoretisch kann das Tripy auch direkt GPX Dateien verwenden, die man z.B. mit den motoplaner auch am Hotelrechner erstellen kann. Aber ich konnte damit soweit keine brauchbare Route definieren. Der Kompass zeigt bei mir dann immer auf das Ziel, statt auf den nächsten Wegpunkt. Vielleicht mache ich da was falsch.

 

Form und Gewicht

 

Noch en paar Worte zur Größe. Es ist ein Klotz und schwer. Das mag den Anschein erwecken, dass es robust ist. Und so wirbt der Hersteller auch „Für den Extremeinsatz geeignet“. Das muss ich leider dementieren. Nach wenigen Wochen ist mir mein Tankrucksack vom Sitz gerutscht, mit dem Tripy drinnen. Kaputt! Glas und LCD zerbrochen. Kann sein, dass mein Handy davor lag. Aber ganz ehrlich, extrem war das nicht! Sehr ärgerlich. Da es aber ein sehr kleiner Hersteller ist, war Reparatur möglich, wenn auch nicht gerade günstig.

 

Dann kommt hinten eine Dicke 1 Zoll Kugel von RAM Mount heraus. Womit das Navi neue Dimensionen an Stauraum benötigt. Meiner einer hat sich das nun umgebaut und eine Alternative Halterung von RAM angebracht. Dazu mehr in einem anderen Artikel.

 

Was bestimmt gut geschützt ist, sind die Kontakte. Der Stecker hinten, wird verschraubt und ist Regendicht. Das Kontaktproblem, wie man es ggf. von TomTom kennt, wird es hier nicht geben. Der Akku hält jedoch so lange, dass ein Laden über das optional erhältliche verbaubare Ladegerät, selten nötig sein wird.

 

tripy-remoteDie Fernbedienung nutzt übrigens den gleichen Anschluss. Also entweder laden oder Fernbedienung nutzen. Versteh ich nicht so recht. Ich glaube, das hätte man man kombinieren können.

 

Kleine Fehler

 

Bei der Nutzung musste ich kleine Fehler feststellen. Die Beleuchtung geht manchmal nicht mehr aus, bis man eine neue Route lädt. Dabei hilft es nicht, den Power Button kurz zu drücken, wie es sein sollte. Das ist ärgerlich, da damit auch mehr Strom verbraucht wird. Und die Warnung vor der nächsten Abzweigung ist bei mir immer 800 Meter davor, egal was ich eingestellt hatte.

 

Vorbereitete Touren

 

Es wird damit geworben, dass 600 Touren bereits installiert sind. Ich befinde mich in München und muss leider feststellen, dass sich keine dieser Touren in meiner Nähe befinden.

 

Fazit

 

Das Tripy ist ein sehr teures Navigationsgerät, dass ein paar Features bietet, mit denen andere nicht aufwarten können, Insbesondere Planung mit vielen Wegpunkten und den Fokus auf den geplanten Weg, kombiniert mit den Roadmaprafiken. Negativ ist die fehlende Planungsmöglichkeit unterwegs (ohne Computer), die Größe und das hohe Gewicht. .Sehr einschränkend ist auch das Fehlen von Hausnummern und für manche die fehlenden Karten für Osteuropa.

 

Nachdem ich nun eine längere Tour damit gefahren bin, die ich ausführlich geplant hatte (Osteuropa), muss ich leider zu dem Ergebnis kommen, dass die Funktionen die ich in meinem alten Tom Tom zur Verfügung hatte, wichtiger waren, als die Routenplanung des Tripy. Ich glaube, dass dieses Navigationsgerät für alle die, die bereits ein anderes haben, eine sehr interessante Ergänzung ist. Aber jeden, der sich ein neues Gerät anschaffen möchte (und noch gar keines hat), würde ich empfehlen einen Blick auf Garmin zu werfen, da die spontane Navigation, Kartenübersicht, Hausnummern und in der Stadt 3-D Ansicht, nicht zu unterschätzende Features sind. Tom Tom hat leider eine sehr eingeschränkte Routenplanung, weshalb ich es nicht uneingeschränkt empfehlen kann, außer für Personen, die prinzipiell nicht planen.

 

Wenn ich außerhalb der Stadt unterwegs bin und keine konkrete Hausnummer ansteuerte, bevorzuge ich jedoch das Tripy, da es mich nicht so sehr drängt einen ganz bestimmten Weg einzuhalten. Das auf das wesentlich reduzierte Display und gute Ablesbarkeit, machen das Fahren damit auch relativ angenehm.  Durch die Lenker-Fernbedienung, die sich an die Standard Bedienelemente einreiht, wird auch die Bedienung unterwegs sehr stark erleichtert.

 

Die Grundideen des Tripy sind gut und lobenswert und wären theoretisch sehr einfach auch in den anderen Navigationsgeräten umzusetzen.

 

Positiv

  • automatische Streckenübersicht nach Wegabweichung
  • Fernbedienung (optional)
  • sehr gut ablesbares Display
  • Planung mit scheinbar unendlicher Anzahl von Wegpunkten
  • Planungsmodus “grüne Route“
  • Reparatur durch Hersteller möglich
  • Kontakt (Strom oder Fernbedienung) ist wasserdicht

 

Negativ

  • hoher Anschaffungspreis
  • Hohes Gewicht
  • Großes Gehäuse mit RAM Mount-Kugel
  • keine Schnellverschlusshalterung (und ohne Stromversorgung)
  • keine Hausnummern
  • kein Touchscreen
  • langsame Neuberechnung der Route
  • lange Einschaltzeit
  • Planungssoftware ausbaufähig

 

 Links

Webseite des Herstellers

Handbuch

 

 

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