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Aug 04

Süd-Norwegen mit dem Motorrad – Teil 4

Tag 5

Es geht starker Wind und ich kämpfe mit ihm um mein Zelt. Auf alles was rumliegt und leicht ist muss ein Stein liegen, sonst fliegt es weg. Irgendwann habe ich es geschafft und los geht es Richtung Norden.

 

Es kommen ein paar nette Anblicke auf Seen oder Fjorde. Aber ich bin schon verwöhnt durch die Eindrücke in den Bergen. Die schöne Landschaft plätschert dahin, haut mich aber nicht mehr um. Und die Straßen sind nun groß und wenig kurvenhaltig.

 

Es fängt an zu regnen, immer stärker. Irgendwann mach ich Pause in einer Bushaltestelle und warte ein paar Minuten. Dann weiter und es wird besser.

 

Die Straße ist zu Ende, das Wasser vor einem – Ein Fährübergang. Ich hallte 100 Meter davor an und überlege, ob ich mit der Fähre weiter fahren möchte. Rechts von mir ein kleines Schild auf dem Hausgemachter Kuchen und Kaffe angepriesen wird und dahinter ein ungeteerter Weg. Gute Idee, ich nehme diesen Weg. Zwei Weidegatter musste ich öffnen und schließen, da dort Schafe rumliefen. Und dann ein kleines Idyllisches Fleckchen. In einem Haus erwartet mich ein gepflegter, in weiss gestrichener Raum. Zwei junge Damen verkaufen den Kuchen und Waffeln. Das Angebot war spärlich. Und die bestellte Tasse Tee klein. Aber tat trotzdem gut, nach der Regenfahrt. Mein Halstuch war nass geworden und die Finger schon ganz kalt.

 

Als ich dabei war zu gehen, sprach mich eine der jungen Frauen stolz an; Sie fährt auch Motorrad – ob ich ihre blaue Maschine beim kommen bemerkt hätte. Sie klärte mich auf, wohin die Fähren von hier fahren und meinte auch, dass die Landschaft an der Küste eher gleich bleibt und sie auch die Berge bevorzug.

 

Auf meinem Kalender stand „heute umdrehen“. Meine Zeitliche Markierung, damit ich zur Fähre nicht zu spät komme. Dann beschloss ich die Berge zu nehmen. Praktisch den gleichen Weg zurück, nur eben von der anderen Richtung.

 

Es zog sich noch eine Zeit hin, bis es interessant wurde. Aber wenigstens kein Regen mehr. Die Strecke schrumpfte zusammen, denn man kannte ja schon alles. Trotzdem genoss ich es. Interessant, wie in meinem Kopf alles wieder abgerufen wurde und ich nun gut einschätzen konnte, was nach der nächsten Kurve kommt.

 

Am Abend erreichte ich dann den gleichen Punkt, an dem mich der Norweger einlud. Er war aber schon abgereist. Ein kleiner Campingplatz; dort nehme ich mir eine Hütte.

 

Tag 6

 

Es geht weiter durch die schöne Berglandschaft. Ich habe alles in ruhe genossen. Die Autos oft vorbei gewunken. Der Abschnitt, in dem der Nebel einst war, hat seine Mystik verloren. Aber die Schafe waren noch da und versperrten den Fahrzeugen gelegentlich den Weg. Am Straßenrand stand ein Helikopter aus Schweden – auch eine Möglichkeit hierher zu kommen.

 

Einige Stunden später – der Himmel schaute etwas dunkel aus und wieder beschloss ich ein Hütchen auf einem Campingplatz zu nehmen. Gute Entscheidung, denn in der Nacht soll es Regnen.

 

Tag 7

 

Immer wieder Regen. Den ganzen Tag wechselte sich der Regen im 20 Minuten Takt mit Sonne ab. Damit trocknete wenigstens wieder ein wenig der Anzug.

 

Dann als es wieder richtig schüttete, ein Schild (Kongsberg, ca 100 km vor Oslo) – ein Silberbergwerk. Eingelenkt und gleich eine Führung genommen, denn unter Tage wird’s bestimmt nicht regnen.

 

Es ist eine stillgelegte, gigantisch große Silbermine. Man fuhr erst mal einige Minuten mit dem Zug, in einem kleinen Eisenwagon, tief in den Berg. Ein kleines Kind mußte bei der Führung unbedingt singen und störte ständig (die Eltern fanden es wohl ok). Das Kind verlief sich aber nicht in einen der Schächte und begleitete die Führung als kleiner Störenfried. Man wurde herumgeführt und einiges erklärt, wenn auch fast zu wenig für meinen Wissensdurst. Aber ich hab den Führer reichlich mit Fragen gelöchert. Interessant, dass hier anfänglich vorwiegend Bergleute aus Deutschland tätig waren, da sie die greifbaren Fachleute für den Bergbau waren. Einige Stollen tragen deutsche Namen z.B. „Gabe Gottes“. Und wir reden hier übrigens vom Jahre 1624, also wirklich alt. Die Mine wurde bis vor ca. 60 Jahren noch betrieben und aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt. Die Führung findet in einem relativ kleinen Abschnitt statt und dauerte geschätzte 45 Minuten. War schon lohnenswert.

An der Oberfläche – Regenpause. Na dann weiter. Heute Hostel Ronningen in Oslo. Die haben mich mal gleich geschreckt, weil das optionale Abendessen zu 13 Euro aus den Resten von Brot, Wurst und Käse des Frühstücks bestand. Macht nichts, hatte noch eine Trekking Ration. Ich dachte die sei Teuer, aber in Norwegen ist die ein Schnäppchen.

 

Tag 8

 

Irgendwie bin ich von dem Hostel enttäuscht. Kostet relativ viel (50 – 80 Euro die Nacht) und ist in einem eher schlechtem Zustand. Am meisten hat mich das Internet verärgert, weil es ständig Ausfälle hatte und die das total restriktiert haben. Nicht mal das EMail Abrufen mit Thunderbird klappt. Gut dass ich einen VPN Zugang habe 😉

 

Heute habe ich das FRAM Museum besucht. Das ganze Schiff, die FRAM, ist dort drinnen und man kann sie begehen. Mit diesem Schiff wurde das erste mal die Antarktis mit Roald Amundsen erreicht und erforscht. Was ich an dem Schiff interessant fand: es konnte seine Schraube hochziehen und es gab mehrere Ersatzschrauben an Bord. Auch dies ist ein lohnenswertes Museum.

Tag 9

 

Es geht zurück, auf zum Schiff. Und ich bin froh, denn es regnet unaufhörlich. Die Autobahn wäre schrecklich gewesen. Die Schnellstraßen in Oslo sind eine Katastrophe. Wenn man die Falsche Ausfahrt nimmt, dauert es Minuten, bis man wieder auf dem richtigen Weg ist. Und das ist mir gleich zwei mal passiert, weil drei Ausfahrten direkt hintereinander gekommen sind. Noch eine halbe Stunde im Regen vor dem Schiff warten und dann ging es hinein. Alle Motorradfahrer auf einmal. Man verzurrt sein Gefährt dann selbst. Es ist ratsam, sich ein Bündel gemacht zu haben, denn während der Fahrt kann man nicht auf das Parkdeck. Die Kabinen der Color Line sind echt schön ausgestattet.

 

Im Casino gibt’s richtiges Roulette. Dort gleich mal was gewonnen. Weil man hier recht viele Chips für wenig Kronen bekommt, hatte ich plötzlich als einziger am Tisch ein paar Türme vor mir. Das passiert schnell, wenn die Zahl gewinnt, auf die man setzt. Da kommt man sich wie im Film vor. Sonst finde ich das Schiff aber langweilig. Gut, dass ich mein Notebook dabei habe.

 

Tag 10

 

Es geht von Kiel nach Hamburg. Mein Vorhaben nur Landstraße zu fahren, wurde irgendwie verhöhnt. Ich folgte erst dem Navi und landete ständig in 30er Zonen. Und nachdem ich einfach mal nach Kompass gefahren bin und nach einer Stunde dann wieder dem Navi gehorchte, landete ich wieder in Kiel. Seltsam. Dann doch ein Stück Autobahn und in die Raststätte. Dort begegnete ich einem Schweizer Paar, das ich schon auf der Fähre gesehen hatte, die mit einer alten Moto Guzzi leider eine Panne hatten. Die Benzinpumpe wollte nicht mehr. Man kam ins Gespräch. Sie wurden letztlich vom Pannenservice auch bin zum Bahnhof gebracht und waren noch vor mir da.

 

Der Autozug, wie immer mit wenig Schlaf, aber diesmal mit freundlichem Personal, brachte mich zum Anfang zurück.

 

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