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Aug 04

Süd-Norwegen mit dem Motorrad – Teil 3

Tag 4

 

Es geht weiter, aber ohne Frühstück. Ich habe nichts dabei und Nudeln wollte ich jetzt nicht essen.

 

Den kleinen Ort, in dem es vielleicht was gegeben hätte, übersprang ich – leider. Immer wieder kommt man an einer Schranke vorbei, die bei Unpassierbarkeit geschlossen wird. Diese werden schön mit einer Warntafel und dem Wort „BOM“ (Wahrscheinlich von „Baum“) angekündigt, damit keiner reinrast. Es ging weiter nach oben. Ein Skigebiet. Ein Essenszeiten. Ein junger Mann sagte mir, dass erst ab 11:00 geöffnet wird. Es ist 9:30, also weiter. Er meinte noch „In this direction, approximately 1 hour for next location with food“. Na dann, so soll es sein.

 

Neben der Straße eine Motorradfahrerin, die gerade ihr Zelt einpackte. Die war härter drauf, als ich. Muss auch sau kalt gewesen sein. Man winkt sich zu.

 

Es ging wieder rauf. Und die Straße wurde enger. Es fing an zu nieseln. Dann immer wieder mal Schafe am Straßenrand. Warum halten dies ich nur so gerne am Straßenrand auf, wenn doch so viel Gras außen rum ist?

 

Meistens sind die Straßen so klein und eng, dass es nur mit 30 km/h vorwärts geht. Alles andere wäre einfach zu schnell, weil hinter der nächsten Kurve ein Auto kommen kann und kein Platz zum ausweichen da ist. Stört die Norweger aber nicht, die riskieren das. Mit dem Auto möchte ich hier nicht fahren, das wäre Stress.

 

Ein Baustellenschild und zack, der Teer war weg. Nur noch „normaler“ Boden für 100 Meter. Trotzdem eine kleine Freude den neuen Heidenau K60 nutzen zu können. Aufgestanden und volle Kanne durchgebrettert.

 

Jetzt nur noch 11 Grad. Es dürfte gerne wärmer sein unter dem Companero. Ein Coolmax-T-Shirt und ein Thermohemd drüber kamen an ihre Grenze. Blos nicht stehen bleiben. Wenn’s bergab geht, wird’s schon wärmer werden.

 

Nebel! Hurra, meine Nebelscheinwerfer dürfen ihrer Bestimmung voll nachkommen. Der Nebel wurde dichter. Sichtweite unter 50 Meter. Es ging nur noch langsam voran. Am Straßenrand immer wieder Schafe und gelegentlich überquerten sie die Fahrbahn. Praktisch ständig waren links und rechts kleine Seen. Jetzt verschwanden sie im Nebel. Es ging ein Stück bergab. Man hat aber nicht gesehen wohin. Die Straße ging nach unten und verschwand im Weiss. Das ganze wirkte wie aus einem Märchen.

 

So viel Wasser! Überall immer wieder diese Seen, die in Wasserfälle übergehen. Oft dachte ich, dass ich nach unten fahre. Aber dann würde das Wasser bergauf fließen.

 

Irgendwann kam ich dann wieder ein ganzes Stück vom Berg herab. Der Nebel war weg, der leichte Regen blieb. Eine Doit-Yourself Tankstelle (Leute, vergesst eure Kreditkarten mit PIN nicht!) Und voll getankt. Hier scheint ein Campingplatz zu sein. Einige deutsche Jungendliche aus Kiel machten sich zur Abreise bereit. Ein kleiner Supermarkt mit Imbiss. Das Frühstück besteht nun aus Hotdog und Tee und einer Tafel Schokolade.

 

Da saß ich vor dem Supermarkt auf einer Bank und schaute dem leichten Regen zu und ein älterer Norweger gesellte sich zu mir. Er drehte sich eine Zigarette und erzählte mir, dass er hier eine kleine Hütte, für wenige Tage, mit ein paar Freunden bewohnte. Er sei dort mit zwei Freunden und deren chinesischer Frau und Freundin. Er lud mich spontan ein mit in die Hütte zu kommen und mit ihnen zu Frühstücken. Und da es nun anfing richtig zu Regnen, stimmte ich zu und folgte ihm. Er auf seinem Fahrrad voran. Nur 200 Meter weit bog er ein zu der Hütte.

 

Auf der Terrasse, begrüßte mich sein noch älterer Freund. Dort saß ich nun. Das Frühstück lehnte ich dankend ab. Hatte ja gerade meinen Hotdog vertilgt. Aber nach 20 Minuten gab es eine Tasse Kaffee für mich. Ich konnte die Hütte kurz von innen sehen. Wow, was für ein Luxus! Moderne Küche. Mehrere Zimmer. Alles mit schöner Holzverkleidung. Super Badezimmer und sogar eine Sauna. Nicht schlecht. Es gab noch einen Tip zu einem Ziel. Eine Stelle, am Ende eines Fjords. Man kann dort weit den Fjord entlang blicken. Das solle ich mir unbedingt ansehen. Sind nur 2 km Umweg. Ok, rein damit ins Navi und los geht’s.

 

Erst mal 2 h durch das Gebirge. Der Regen hörte auf, denn es ging abwärts. Die Sonne kam raus. Immer wieder unglaubliche Ausblicke. Schon gestern habe ich beschlossen, dass dies auch mein Rückweg sein soll. Diese Landschaft sieht man vielleicht nie wieder. Zu Hause wäre das wohl das Motorradziel Nummer eins, mit der Landschaft und den Kurven (Wenn auch enge Straßen). Umso mehr es bergab ging, umso unspektakulärer wurde die Landschaft.

 

Eine Abzweigung, ein Zwischenziel der Route wird angesteuert. Nun geht es zum Fjord. Wie weit es nun ist, kann ich nicht sehen, da das Navi immer nur das Endziel anzeigt und die Distanz zur nächsten Abzweigung. Am Ende waren es dann wohl doch mehr als 10 km. Es ging nach oben und dann ein langer Tunnel steil bergab. Dummerweise hatte ich die Sonnenbrille auf und bei dieser Steigung tuckerte ich dann vorsichtig durch das Dunkel. In so einem Tunnel darf nichts schief gehen. Man könnte das Motorrad nicht abstellen. Die Fahrbahn ist nur 2 Meter breit. Aber es kommt kein Auto entgegen. Alles ist sehr dunkel (Sonnenbrille). Dank voller Beleuchtung (Fern- und Nebellicht) erstreckt sich vor mir eine Landebahn aus Reflektoren (Leitplanken) nach unten. Und als ich dachte, dass die Straße ganz schön eng für einen Tunnel ist; ein Schild „Achtung Straßenverängung“. Aber da war dann auch gleich das Ende da.

 

Nun ein paar sehr enge und steile Kurven bergab. Viele Schafe am Fahrbahnrand. Wie ich später feststellen sollte, ist dieses Tal eine Sackgasse. Deswegen kommen hier nur wenige Autos vorbei. So sind ein paar Schafe aus ihrem Halbschlaf erwacht, als die GS daher getuckert kam und hoben rasch Ihren Kopf von der Fahrbahn auf.

 

Die Straße überall voll mit Schafexkrementen. Doch der Scout K60 meistert die Schafscheisse ohne Probleme.

 

Nicht weit, durch ein paar Häuser. Ich fuhr sehr langsam. Da Kahm ein kläffender Dackel angerast und wollte sein Revier verteidigen. Hinten ihm, in einem Zwinger ein größerer Hund, der fleißig mit bellte. Ich konnte kaum sehen, wo er ist und hatte angst, dass ich ihn überfahre, den kleinen Aufpasser. Dann etwas mehr Gas und seine Füße konnten nicht mehr mithalten.

 

Ich überholte langsam einen Radfahrer, der ein paar Holzbretter dabei hatte. Der Fjord vor mir, links und rechts durch die hohe Felswand viele Kilometer weit gesäumt. Der Radfahrer – wohl einer der Bewohner der Häuser, wunderte sich bestimmt, wohin ich will, ist den die Straße in 50 Metern zu Ende und weiter ginge es nur über Wasser. Nun stand ich da und guckte in die Tiefe des Fjords. Was soll ich sagen – nett, aber gelohnt hat sich der Ausflug nicht. War ich doch schon verwöhnt worden von der tollen Berglandschaft mit den Wasserfällen.

 

Auf dem Navi gespielt, wurde mir klar, dass eben das ganze Tal mit ein paar Hütten eine Sackgasse ist. Also wieder zurück. Naja eine dreiviertel Stunde für den Blick.

 

Der Norweger hatte mir noch empfohlen einen Ort nahe Egersund zu besuchen, weil es dort so ein altes Dorf geben soll, aus dem 17. Jahrhundert. Klingt gut, also dann dahin.

 

Einige Kilometer wieder auf großen Straßen wollte das Navi wieder auf total schmale ausweichen. Da die Landschaft aber nicht mehr toll war, waren diese mini Straßen eher anstrengend. In dem Ort angekommen kannte aber niemand das alte Dorf. So wie es aussieht, gibt es nur sei Hütten aus dem 18-19. Jahrhundert. Das Photo davon reicht mir aber.

 

Ein Schild zu einem Campingplatz. Es ist erst 17 Uhr, aber ich wollte nicht wieder den Fehler machen, total müde nach einer Unterkunft zu suchen. Nun ging es noch 5 km mit Tempo 30 am Wasser entlang und da ein Campingplatz. (Übrigens, wieder keine Kreditkartenzahlung und auch kein Internet). Aber Abrechnung ganz einfach; Kronen in einen Umschlag und in einen Briefkasten werfen. Gebühr bezahlt.

 

Davor habe ich mir aber den Platz kurz angesehen. Zwischen großen Felswänden darf man sein Zelt aufstellen. Da ein kleine Nische – gefällt mir. Ich gehe weiter, bis zum Ende der Felswände und sehe das offene Meer. Ein grandioser Anblick.

Zelt aufgebaut und mit Gasbrenner Essen gekocht (Tütengericht). Lecker!

 

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