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Aug 04

Süd-Norwegen mit dem Motorrad – Teil 2

Tag 3

 

Eine gute Nacht gehabt. Das Apartment darf ich bis 12:00 haben und das habe ich komplett ausgenutzt. Alles mal ganz langsam. Noch Würstchen gekocht und eine Käsesemmel mit Brot aus Schweden gemacht. Und dabei einen kleinen Film auf dem Notebook geschaut – ja auch Entspannung.

 

Es soll weiter gehen. Westküste. Camper haben mir auf einer Karte gezeigt, wo es schön sein soll an der Westküste. Das Navi in der Hand werden Ziele probiert. Ab Egersund, sagte die (Papier)Karte eine Schöne Route voraus, wenn es nach Norden geht. 8 h Landstraße oder 7 Autobahn. Nein, bei diesem knappen Unterschied wird es doch nicht Autobahn werden!

 

Noch gepackt und die Wasserflaschen gefüllt geht es um 12:00 Uhr los. Dann werde ich also heute Abend in Egersund sein. Es wird sich zeigen, dass ich falsch liege!

 

Bald ging es durch Telemark (glaube ich). Hier sind überall Tunnel. Und plötzlich ein Kreisverkehr im Tunnel! So was habe ich auch noch nicht gesehen. Und das Navi hat es natürlich überfordert, da kein Empfang unter der Erde ist.

 

Bald darauf fuhr ich an einer offenen Schranke vorbei – ein Blick nach Links – Ich bin auf einem Rollfeld für Flugzeuge! Falsch abgebogen? Nein, tatsächlich führt die Strasse über ein Rollfeld. Und wenn ein Flugzeug kommt, dann gehen einfach die Schranken zu.

Es geht bergauf. Das Navi lotst mich immer wieder auf kleine Nebenstraßen, die höchstens 2 Meter breit sind. Und trotzdem kommen einem zahlreiche Autos entgegen. Immer weiter, immer fort.

 

Gelegentlich kommen mir andere Biker entgegen. Hier mehr die Tourer. Auf den Autobahnen sah man dagegen viele Goldwings mit Anhänger und Harleyfahrer. Die Biker in Skandinavien grüßen viel mehr als bei uns. Sogar auf der Autobahn, wenn einer entgegen kommt. Es sind aber auch weniger Biker als bei uns.

 

Ein toller Wasserfall unter der Brücke, über die ich fuhr. Ich halte an und genieße den Ausblick. Das wäre ein guter Platz zum Campen. Bis auf die Straße und die Tatsache, dass es noch nicht Zeit war. Weiter geht es.

Auf einer Kuppel, irgendwo oben, ein Platz zum Anhalten. Hier war eine kleine Imbissbude und ich hatte Hunger. Es hätte so was wie Dönerfleisch gegeben. Hätte, weil der Junge man aus Afghanistan sich vergeblich bemüht hatte, wenigstens eine meiner Kreditkarten zum laufen zu bringen. Und norwegische Kronen hatte ich keine. Also weiter.

 

Dunkle Wolken ziehen auf. Ein paar Tropfen kommen herunter. Es wird auch etwas kühler – ca 18 Grad. Zeit die Regenhose anzuziehen. Auf einem kleinen Rastplatz konnte ich mich in Ruhe mit den Reißverschlüssen beschäftigen. Ein Auto kommt und jemand springt rasch in den Wald. Hatte es wohl sehr Eilig 😉 Und weiter geht’s.

 

Irgendwann ein Tal. Das ganze Tal voller Wohnmobile. Ein schrecklicher Anblick. Wohnmobile sieht man hier sowieso sehr oft und hier war das einfach zu viel. Schnell durch (Später erfahre ich, dass es ein großes Country-Musik Festival war). Irgendwann ein Touristenort. Ich lasse mich von einem Schild ködern „Pizza … 115 Kronen“. Drehe um und ging in das Lokal. Auf der Karte war alles teurer. Naja, hätte ich mir ja denken können. Ich glaube ich habe dann dort den teuersten Burger meines Lebens gegessen (alles war teuer). Er war gut und viel zu viel. Weiter geht’s.

 

Es geht immer wieder mal rauf und dann wieder runter. Und immer wieder leitet mich das Navi von den größeren Straßen weg auf total kleine. Ich frag mich dann immer, ob das stimmen kann? Zum teil sehr steil und enge Kurven. Erster Gang. Wenn ich die Kurven nach rechts zu Eng nehme, liege ich am Boden oder lande zu weit drüben. Und es kommen einem immer wieder Autos entgegen. Einmal sogar ein Wohnmobil. Wie kommt den der da rum? Die Norweger sind solche Straßen gewöhnt und schaffen das irgendwie.

 

Es geht zwar immer rauf und runter, aber mehr rauf als runter. Es fängt leicht zu regnen an. Ich bleibe aber trocken. Ein kleiner Ort in einem Tal. Es kommt mir eine große Gruppe GS Fahrer entgegen. Gut bepackt. Das Grüßen fällt ihnen sichtlich schwer. Die haben wohl schon einen langen Tag hinter sich.

 

Aber da wo die herkamen, will das Navi nicht hin. Links abbiegen und steil rauf. Naja, so was hatten wir ja schon – was soll’s. Diesmal geht es richtig nach oben. Weiter und weiter.

 

Es nieselt noch immer. Die Temperatur ist gesunken auf 13 Grad. Nun durchfahre ich eine traumhafte Landschaft voller kleiner Wasserfälle. Wirklich unglaublich schön. In diesem Moment war mir klar, dass die Autobahn definitiv die falsche Wahl gewesen wäre.

 

Hier würde ich auch gerne campen. Aber es ist mir zu kalt und zu nass. Da wähle ich die bequeme Variante. Ein Schild in dieser wundervollen, wenn auch nassen Landschaft deutet auf das Mieten von Unterkünften hin. Eine kleine Gaststube. Aber keiner da. Irgendwas auf norwegisch und eine Handynummer. Egal, dann weiter.

 

So komme ich irgendwann wieder bergab. Und da ein großer Wasserfall. Ich bleibe stehen. Jetzt bemerke ich viele winzig kleine Fliegen, die langsam um mich herum schwirren. Später erfahre ich, dass das Mücken sind. Für die braucht man ein dünnes Netz. Wieder in einem Tal fand ich einen Campingplatz. Es gab keine freie Hütte. Und da alles nass und kalt war, wollte ich das Zelt nicht aufbauen.

 

Am Straßenrand stand ein Mann mit Fahrradhelm. 20 Meter weiter sein Fahrrad. Ich fuhr langsamer. Er sah verwirrt aus. Ist er vielleicht gestürzt? Bin umgedreht und sehe dann, wie er mit einem Stein gegen die Felswand klopfte. Ist er vielleicht etwas verwirrt? Ich frage ihn, ob alles ok sei? Ja – gab er mir zu verstehen, mit einem nicht sehr intelligenten Gesichtsausdruck. Da fragte ich mich, ob es hier auch genetische Überbleibsel aus den Bergdörfern gibt, die ja kaum heraus konnten, um ihren Genpool zu erweitern. Insbesondere, da Minuten zuvor ein Campingplatzmitarbeiter einen so dämlichen Gesichtsausdruck hatte – mit offenem Mund und großen Augen, mir lauschend, ob ich noch was sagen würde. Und hier klopft vielleicht sein Verwandter einen Tunnel in den Fels.

 

Ein paar Kilometer weiter ein Schild zu einem Campingplatz. Dann einen Kilometer von der Hauptstraße abgezweigt eine Rasenfläche mit ein paar Zelten und ein paar Hütten. Ein Schlüssel für eine Hütte hing an einem Brett mit dem Preis auf einem Anhänger gekritzelt. Ein alter Mann kam mit einem Fahrrad an. Er gehört dazu und hat mich scheinbar kommen sehen. Er sprach ein paar Wörter Deutsch und erklärte mir, dass die Hütte heute nur 300, nicht 350 Kronen kosten soll. Von aussen sah alles etwas schäbig aus. Ich durfte einen Blick hinein werfen. Ging eigentlich. Nicht mehr der Luxus der vorherigen Nacht. Da war mir auch klar, dass ich zuvor einen super Preis hatte und mit 500 Kronen ein klasse Appartement bekam. Und nun – nur Bargeld! Aber zum Glück war ein kleiner Ort nahe mit Bankomat. Dort gab es dann auch eine Hüttenvermietung. Aber teurer und die Waschräume weit weg. Na dann, zurück zum alten Mann.

 

Und da sitze ich nun und schreib das.

 

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