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Aug 04

Süd-Norwegen mit dem Motorrad – Teil 1

Ich bin gerade in den Bergen, zwischen Oslo und der Westküste, Norwegen. Heute ist Freitag. Doch von Anfang an;

 

Tag 0

 

Am Dienstagabend bin ich in München losgefahren, nein ich mit dem Motorrad, sondern mit dem Autozug. Eine neue Erfahrung für mich. Angekommen am Ostbahnhof, ging das beladen auch sehr schnell. Ich bin gleich dranngekommen. Man lotste mich in den unteren Bereich des Autozuges, ein wenig vorsichtig, mit beiden Beinen auf dem Boden und stark geducktem Kopf. Jetzt musste man noch, ich glaube ca. eineinhalb Stunden warten, bis der Zug los fährt. Zufällig waren bei mir im Abteil noch 2 weitere Biker und eine vierköpfige dänische Familie. obwohl es im Zug noch ein freies Abteil gegeben hätte, wollte uns das die Deutsche Bahn nicht spendieren, bzw. nur mit einem Aufpreis von 60 €. Die Familie hatte aber kein Interesse sich daran zu beteiligen. Wir wollten das auch nicht komplett übernehmen. Am Ende war es aber gar nicht so schlimm wie es sich anhört, weil die Kinder bei den Eltern im Bett lagen (deren Problem). Eine relativ schlaflose Nacht ging vorbei und am Morgen kamen wir in Hamburg an. Es war schon recht warm.

Tag 1

 

Aus dem Autozug herauszufahren ist in Hamburg eine kleine Show, da man praktisch in den Bahnhof hinein fährt. Die Bahn sperrt mit Bändern und Pylonen den Bereich ab. Schaulustige garantiert!

 

Alle Klamotten zurechtgerückt und das 1. Ziel im Navi  festgelegt – die Brücke in Dänemark –  ging es sofort los. Vom Bahnhof Altona ging es dann auch recht schnell auf die Autobahn. Nach einiger Zeit Pause auf einem kleinen netten Rastplatz. Auf eine Bank gelegt und 1 h geschlafen.

 

Autobahn, zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich dieses Wort, bald verfluchen werde. Kurz vor Dänemark: Futter bei Burger King – lecker! Und schon geht’s weiter. Dänemark, der Straßenbelag ist rau und plötzlich riecht es unangenehm, wie nach Abfall. Hörte aber gleich wieder auf. Vielleicht so eine Art Abschreckungsmaßnahme?

 

Und dann? Autobahn, Autobahn und danach: noch mehr Autobahn! Auf dem Naiv sah alles so kurz aus und die paar Stunden wirkten auch nicht sooo lang. Ich würde es euch gerne besser beschreiben, aber eigentlich ist es nur extrem langweilig. Und natürlich tut einem regelmäßig der Hintern weh und auch die Beine. Da hilft nur Pause machen. das Suchen einer alternativen Route über Landstraße war auch nicht sehr verlockend, sie dauerte einfach viel zu lange und ich wollte doch nach Schweden.

 

Es hatte 31° Hitze. Mit meinem neuen Stadler Companiero (Touratech) konnte man das in Bewegung aber ganz gut aushalten. irgendwann kam ich zum Meer. Dass das Meer sich näherte,  konnte man schon daran erkennen, dass die Temperatur um 7°, innerhalb weniger Minuten, gefallen ist. In den Dänemark musste ich Maut bezahlen, die BroKort (Mautkarte der Brücke) brachte hier nichts. ich weiß nicht, was die Maut war. Für die Autobahn oder für eine Brücke? Irgendwann kam dann aber eine Brücke und die Mautkarte konnte angewandt werden. Gleich vorweg, die Karte lohnt sich doch nicht, denn in Norwegen ist für Motorräder alles Mautfrei.

 

Ich habe übrigens auf der Autobahn in Dänemark mindestens 8  liegen gebliebene Fahrzeuge gesehen. Was ist los mit den dänischen Autos?

 

Dann plötzlich ein Schild, ja ich bin in Schweden! Und dann? Autobahn! Ich kriege die Krise. Ich suchte auf dem Navi einen Campingplatz der ca. noch 1 h entfernt war. Zunächst: Autobahn!

 

Irgendwann ging es dann runter auf eine Bundesstraße und so fuhr ich dann durch die Prärie. Klingt schön, war es aber nicht. Wo ist das schöne Schweden, das sich in Erinnerung hatte? Hier jedenfalls nicht. Ich sehe überall nur Felder (Weizen?). Da ist es zuhause schöner.

 

Natürlich musste ich schon wieder einmal tanken. In einem verlassenen Dörfchen eine Selbstbedienungstankstelle. Kreditkarte – Ohje, er will eine PIN haben. Das ist eine Premiere für diese Karte. Ich habe sie schon seit 3 Jahren und wurde noch nie nach einer PIN gefragt. Leider weiß ich mangels Nutzung, genau für diese Karte die PIN nicht. Gut, dass ich mehr als eine Kreditkarte habe. Es wird sich im Laufe der Zeit noch zeigen, dass es in Skandinavien sehr wichtig ist, die PIN seiner Kreditkarte zu kennen. Tankstellen sind hier oft nicht bemannt. wer keine Kreditkarte hat, sollte sich für so eine Reise auf jeden Fall eine zulegen, Sonst könnte er am Ende ohne Sprit da stehen.

 

Das Navi lotst mich weiter durch die kleine Geisterstadt und sagt irgendwann „Sie haben Ihr Ziel erreicht“. Nur leider war hier gar kein Campingplatz. Ich war in einem Wohnviertel gelandet. Ein Hund bellt und ein kleines Mädchen schaut mich aus dem Garten heraus an. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich mich auf PIOs, die ich selbst installiert habe verlassen hatte. War wohl nichts. Jetzt wieder einen Campingplatz ausgewählt, diesmal von den TomTom eigenen POIs. Wieder 45 min Fahrzeit. ich bin müde, die schlechte Nacht im Zug macht sich bemerkbar.

 

Es ging durch kleine Dörfer, die ebenfalls wie ausgestorben wirken. Wo sind die ganzen Leute? Ein See kommt und die Landschaft wird grüner. endlich, der Campingplatz liegt am See. Hütten waren schon alle belegt, aber Zelt ist o.k. Es war ca. 21:00 Uhr, aber noch gut hell. auf Campingplatz gab es einen kleinen Bereich für Zelte, der Rest war mit Wohnwagen voll gestopft. Kein schöner Zeltplatz, auf einem Stück Rasen, zwischen anderen Campern, sozusagen sozusagen nur durch Autos separiert. Egal, ich muss schlafen!

 

Tag 2

 

Am nächsten Tag die große Frage; weiterfahren in den Osten, in das grüne Schweden? Oder nach Norwegen? Wo es doch so kurvig sein soll. Entscheidung: nach Norwegen. Das Navi erschlug mich wieder mit großen Zahlen. Bis zum Ziel entweder 10 h Autobahn oder 14 h Landstraße. und weil die Gegend sowieso so öde war: Autobahn. Scheiße!

 

Nach unbeschreiblichen langer Zeit, kam die norwegische Grenze. es gab so eine Art Grenzkontrolle. Nicht so richtig mit Ausweis zeigen, aber jedes Fahrzeug wurde angesehen. Ich habe aber nicht gesehen, dass jemand anhalten musste.

 

Es war schon Abend. Und ich war extrem deprimiert. So eine Autobahn Tortur hinter mir – ja, ich bin noch nie soviel Autobahn an einem Stück gefahren, insbesondere nicht mit dem Motorrad. Ich glaube an den 2 Tagen waren es ca. 18 h Autobahn. Ich spielte mit dem Gedanken die Reise abzubrechen und nachhause zu fahren.

 

Plötzlich kamen immer mehr Tunnel. Tunnel sind gut, denn Tunnel bedeuten Berge. Und Berge bedeuten Kurven. Die Landschaft wurde auch schöner. Als Ziel habe ich im Navi einfach mal die Westküste angegeben. Natürlich ein heute nicht erreichbares Ziel. Aber die Richtung stimmt. Ich bin inzwischen zweimal durch eine Mautstation in Norwegen gefahren und musste als Motorradfahrer nicht bezahlen. Bei der 1. Station wurde das jedoch nicht deutlich auf eine Tafel geschrieben (erst auf der Preistafel konnte man das sehen) und so habe ich mich brav in die Schlange für manuelle Bearbeitung gestellt. Bei der nächsten Mautstation war ein kleines blaues Schild zu erkennen das zeigte, wo Motorradfahrer ohne Schranke einfach durchfahren dürfen. Ich weiß nicht, ob das in Norwegen generell so ist, also schau ich mich erstmal vorsichtig um, ob ich einen Hinweis sehe, Bevor ich ohne zu zahlen einfach durchfahre.

 

Dann ein langer Tunnel. Er geht bergab. Komisch, ich habe gar nicht gemerkt, dass ich so weit oben war. Der Tunnel war sehr lang. Im Tunnel haben mich 2 nette Autofahrer mit ihrer Lichthupe angeleuchtet. Vermutlich wurden sie durch meine Nebelscheinwerfer geblendet. Es kann sein, dass durch das viele Gepäck, diese nun etwas nach oben strahlen. Ab diesem Zeitpunkt bin ich so freundlich und schalte die Nebelscheinwerfer in den Tunneln ab.

 

Ungefähr um 8:00 Uhr Abends stand ich dann wieder auf einem kleinen, aber sehr schönen Rastplatz. Die Autobahn hat mich fertig gemacht. Ich war auf einem Berg und blickte hinunter auf einen See. Im Navi nach einem Campingplatz gesucht. Na, wenigstens in akzeptabler Entfernung. Nur 7,5 km! Es gab schon Abschnitte, da war der nächste Campingplatz 50-100 km weiter weg. Es ging bergab ins Tal hinunter Richtung See. und die Landschaft wurde wunderschön. Ein kleiner Bach lief rechts an der Fahrbahn entlang. und da der Campingplatz: ein Schild, aber kein Zelt darauf. Naja, mal fragen ob sie auch Hütten haben. Um wieder, ein riesiges Feld an Wohnmobilen. Der nette Mann an der Rezeption bot mir ein Appartement zu einem stark reduzierten Preis an. Zelten war möglich, ich entschied mich dennoch für das Apartment, um Energie zu tanken.

 

Ja, so ein Apartment ist dann wie Balsam auf die Seele. man spart sich dem Stress mit auf- und abbauen und hat viel Platz. Nicht zu vergessen, dass das Bad schon drin ist und eine Küche ebenfalls. Damit entfallen die häufigen Läufe zum Waschhäusschen.

 

Es gab natürlich auch Strom und den habe ich gleich genutzt, um vor allem mein Bluetooth Headset im Helm aufzuladen. Bei manchen komplizierten Straßensituationen, habe ich dieses eingeschaltet. Das erspart viel Stress.

 

Mein Blick aus dem traumhaften Apartment geht auf den See mit einer Insel drauf. Auf dem See fährt ein großes Schiff. Sehr groß. Ein genauer Blick aufs Navi verrät mir, dass es ein Fjord ist und kein See. Das müssen die Schiffe nach Oslo sein.

 

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