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Mrz 03

Was braucht man für Motorradklamotten?

vintage-rider_400Einsteiger und Wiedereinsteiger denken oft an den Kauf der Maschine, ohne sich Gedanken über die Kleidung zu machen. Da man beim Motorradfahren keine schützende Hülle um sich hat, ist die richtige Kleidung essenziell und darf nicht vergessen werden.

Ich beleuchte hier einmal, wie wichtig oder unwichtig diverse Kleidungsstücke aus meiner persönlichen Sicht sind. Mit dem wichtigsten zuerst:

Der Helm

Helme gibt es aus unterschiedlichen Materialien wie zum Beispiel Glasfaser, Polycarbonat und Carbon. Günstige Helme bestehen Polycarbonat, also Plastik. Teure Helme beispielsweise aus Carbon, ein Material das sehr leicht ist. Die günstigen Helme aus Plastik haben einen entscheidenden Nachteil, das Material verhärtet nach wenigen Jahren und der Helm sollte dann schon getauscht werden. Entscheidende Merkmale für den Kauf sind beispielsweise, ob ein Pinlock-Visier anbringbar ist oder eine Sonnenblende. Das Pinlock-Visier ist ein 2. Visier, dass sich auf der Innenseite des eigentlichen Visiers befindet und dafür sorgt, dass es weniger beschlägt. Es wird durch zwei Zapfen (Pins) festgemacht, daher der Name. Gerade wer bei Regen oder in kühleren Jahreszeiten unterwegs ist, insbesondere im Stadtverkehr, sollte nicht auf ein Pinlock-Visier verzichten. Brillenträger freuen sich meist über Klapphelme, da das anziehen des Helmes so sehr viel leichter geht. Dafür ist der Helm schwerer. Bei einem vernünftigen Helm sollte man mit mindesten 150 € rechnen.

Die Handschuhe

Ja, es gibt so einige Motorradfahrer die tatsächlich ohne Handschuhe unterwegs sind. Doch oft sind es die Hände auf denen man zuerst landet, wenn man Das Motorrad unfreiwillig verlässt. Dazu sind die Finger während der Fahrt meist direkt dem Wind ausgesetzt und können in kühlen Jahreszeiten gar unangenehm kalt und steif werden. Angesichts dessen, dass man schon ab ca. 20 € ganz vernünftige Motorradhandschuhe bekommt, kann ich nicht verstehen, wie man hier sparen kann. Die Behauptung mancher Motorradfahrer, sie kommen mit den Bedienelementen durch einen Handschuh nicht klar, lasse ich nicht gelten. Selbst mit besonders dicken Winterhandschuhen ist es möglich alles noch bedienen zu können. Bei den Handschuhen sollte man sich komfortable Ganzjahreshandschuhe zulegen und möglicherweise noch etwas dünnere für den Sommer.

Der Nierengurt

Es mag verwundern, dass sich diesen noch vor Jacke und Hose erwähne. Doch selbst für vergleichsweise langsame Rollerfahrer, ist es praktisch eine gesundheitliche Pflicht einen Nierengurt anzulegen. Der kühle Fahrtwind wird dafür sorgen, dass die Nieren erkranken. Insbesondere, da man bereits für ca. 5 € einen Nierengurt kaufen kann, gibt es hier eigentlich keine Ausrede mehr. Extrafunktionen bei teuren Nierengurten sind meiner Meinung nach überbewertet.

Die Jacke

Die Motorradjacke hat 2 wesentliche Aufgaben. Sie soll bei einem Sturz schützen und vor Wetter, also auch Kälte. In jeder Motorradjacke befinden sich Protektoren, was sie schon mal von einer herkömmlichen Freizeitjacke unterscheidet. Manchmal muss ein Rückenprotektor dazu gekauft werden, dieser ist jedoch für ca. 20 € erhältlich. Teurere Rückenprotektoren schneiden in Tests nicht unbedingt besser ab als günstige. Auch im Material einer Motorradjacke gibt es einen wesentlichen Unterschied zu einer Freizeitjacke. Es muss reibe- und reißfest sein (Naja, so gut wie es geht). Im schlimmsten Fall stürzen sie vom Motorrad, der Stoff wird aufgerissen oder schmilzt gar durch die Reibung – so zumindest bei Freizeitjacken. Es ist ein alter Irrtum, dass eine gute Jeans geeignet ist. Absolut nicht! Hier bieten Lederjacken prinzipiell den besten Schutz. Sie haben allerdings auch einen entscheidenden Nachteil, sie sind nicht wasserdicht. Was bedeutet, dass man immer ein Regenkombi dabei haben sollte. Die andere Variante ist eine Textiljacke. Textiljacken für Motorradfahrer werden eigentlich immer in abriebfesten Materialien angeboten. Hinzu kommen hier die Faktoren der Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität. Zu den besten Materialien gehört hier beispielsweise Goretex. Da man als Motorradfahrer meist nach dem Zwiebelprinzip mehr oder weniger Kleidungsstücke trägt, die aber häufig nicht so schnell wechseln kann wie die Temperatur sicher verändert, kommt man schon mal ins schwitzen. Hinzu kommt natürlich die Verkehrslage, beispielsweise ein Stau der einen den Schweiß auf die Stirn treibt. In solchen Momenten freut man sich über Materialien, die einem sozusagen das Atmen durch die zweite Haut erleichtern. Ein kleiner Hinweis an dieser Stelle: wasche solche Jacken niemals mit herkömmlichen Waschmitteln, da es die Membran zerstört! Motorradjacken beinhalten für gewöhnlich eine herausnehmenbare Innenjacke, um sich so der Temperatur anpassen zu können. Für sehr heiße Tage gibt es reine Sommerjacken, die aus einem dichteren Netz bestehen. Diese sind nicht wasserabweisend. Ganzjahresmotorradjacken bekommt man ab ca. 160 €. Für die Topmodelle kann man schon ca. 800 € ausgeben.

Die Hose

Bei der Hose gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, da im wesentlichen dieselben Kriterien gelten wie bei der Jacke. Man sollte wissen, dass sich Jacke und Hose eines Herstellers meistens durch einen Reißverschluss an der Rückseite verbinden lassen. Oft ist das Gegenstück aber auch noch an der Hose dran (gezippt), womit man dieses auch an eine andere Jacke nähen kann. Diese Reißverschluss hat folgende Funktionen: Er verhindert das beim Sturz die Jacke nach oben abgezogen wird, dass beim fahren zu viel kühle Luft an den unteren Rücken gelangt und falls es regnet kann es natürlich unangenehm sein, wenn irgendwie Wasser von hinten in die Hose gelangt. Auch bei den Hosen gibt es oft herausnehmbares Innenfutter. Jacke als auch Rose sollte man im Laden einmal mit und ohne Innenfutter probieren. Hosen gibt es ab ca. 120 €.

Das Halstuch

Auch dies dient dem Schutz vor kalten Wind um den Hals und Oberkörper. Man denke hierbei jedoch nicht an ein quadratisches Tuch, das man einen Knoten bindet, sondern an ein Ringtuch, in das man hineinschlüpft. Außerdem sammelt es den Schweiß auf. Ein solches Halstuch kann man für unter 10 € kaufen.

Die Stiefel

Ich nenne sie die Turnschuhfahrer, die man im Sommer überall sehen kann – Motorradfahrer mit Turn- und Halbschuhen. Bei einem Sturz werden die luftig leichten Halbschuhe sofort vom Fuß gezogen und außerdem gibt es bei diesen Schuhen schon mal gar keinen Schutz für den Knöchel. Wenn also die Maschine kippt und teilweise auf einem Fuß liegt braucht man sich mit einem Halbschuh nicht wundern, wenn der Fuß dann massiv beschädigt wurde – und das passierte schon so einigen. Die wichtigste Funktion eines Stiefels ist der Schutz des Fußes, insbesondere des Knöchels. Diese Funktion kann bereits ein Bergschuh einigermaßen erfüllen. Motorradstiefel haben immer noch eine Verstärkung im Bereich der Schalthebel. Umgekehrt wird also ein herkömmlicher Schub unter den Schalthebeln leiden bzw. an dieser Stelle kaputtgehen. Die Regenfestigkeit eines Motorrad Stiefels war zumindest für mich ein überzeugendes Argument mir einen ordentlichen Stiefel zu kaufen. Ich selbst fuhr am Anfang einfach einen Bergschuh, aber nach einem intensiven Regenschauer war der Schuh danach so richtig durchnässt und ich durfte ein paar Tage mit einem nassen Schuh herumfahren. Die Schuhbänder sind auch etwas gefährlich, da sie sich verfangen können. Achte beim Kauf von Motorradstiefel nicht auf dieselben Kriterien, als wenn du dir einen Wanderschuh zulegst. Du wirst mit diesem Stiefel kaum laufen, er muss also kein besonderes Profil oder Sole aufweisen. Natürlich sollte er bequem sein. Wer viel offroad fahren will, sollte Endurostiefel kaufen. Diese sind wesentlich robuster, aber auch wesentlich teurer. Vernünftige Stiefel gibt es ab ca. 100 €.

Das waren die wichtigsten Kleidungsstücke, die du meiner Meinung nach für das Motorradfahren benötigst. Zusammengerechnet sollten man also mit mindestens 580 € rechnen. Im Winter gibt es oft satte Rabatte bei den Läden Louis und Polo – meistens um die 20%.

 

 

Wer noch ein paar Euro übrig hat, dem empfehle ich noch das folgende:

Die Sturmhaube

Die Polster der Helme lassen sich nur schwer reinigen. Ein schweißtreibender Sommer kann schon seine Spuren in einem Helm hinerlassen. Dieser riecht dann einfach unwiderruflich modrig. Eine Sturmhaube nimmt den Schweiss etwas auf und schont den Helm. Gibt es ab 5 Euro. Ordentliche kosten aber 30 Euro.

Funktionsunterwäsche

Auch hier geht es wieder um den Schweiss. Normale Klamotten aus Baumwolle saugen die Nässe auf und behalten sie auch. Alles bleibt nass und klebrig. Auch kann es mit nassen Klamotten richtig kalt werden. Lass dich nicht beeindrucken von teurer Funktionsunterwäsche aus dem Motorradfachgeschäft. Hier wird viel Geld gemacht. Hemd oder lange Unterhose ab 15 Euro sind meiner Meinung nach genau so gut, wie teure. Auch bei Discountern oder Tchibo, gibt es gute Funktionsunterwäsche. Bei T-Shirts wird man auch im Sportgeschäft fündig. Unterschieden wird nur zwischen Sommer und Winter, also kühler und wärmer. Wie die Sturmhaube schont man damit auch die Jacke und Hose. Es reicht schon ein warmer Tag und viel Schweiß geht in die äussere Kleidung, die man nur sehr aufwendig Waschen kann. Insbesondere, weil die Protektoren darin sind, die man erst mal entfernen muss. Funktionsunterwäsche kommt in die Waschmaschine und trocknet schnell.