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Jan 06

Schuberth C3 – Meine Erfahrung mit diesem Klapphelm

Da ich nun seit über einem Jahr dem Motorradhelm Schubert C3 verwende, möchte ich nun einen kleinen Erfahrungsbericht über diesen Helm verfassen.

Die Schuberthelme zählen durchaus zur Oberklasse der Motorradhelme und so müssen sie sich auch intensive Begutachtung gefallen lassen.

Der Schubert C3 Klapphelm. Gerade als Brillenträger freut man sich besonders darüber, weil man sonst bei einfachen Integralhelmen erst jedes Mal die Brille abnehmen muss, bevor man den Helm auszieht bzw. nach dem Aufsetzen die Bügel versuchen kann, hinter die Ohren zu schieben. Den Klapphelm öffnet man einfach und hebt ihn dann vom Kopf.

Sonnenblende

Auch eine großartige Funktion ist die eingebaute Sonnenschutzblende, die man mit einem Schieber, der sich an der unteren Seite links befindet, nach unten fallen lassen kann. Ich glaube, dass man als Brillenträger oft weniger eine Sonnenbrille bei sich hat, als jemand, der keine Brille trägt. Da die Sonnenbrille in Helm sozusagen eingebaut ist fällt ein Wechsel der Brille bei plötzlichen Lichteinfall weg.Ich musste jedoch feststellen, dass man die Sonnenblende relativ oft sauber machen muss, da sich anscheinend Kondenswasser – vermutlich beim schwitzen – über dieser sammelt, darauf hinunter läuft und Spuren hinterlässt. Den Ausbau der Sonnenblende empfinde ich als kompliziert. Ich glaube die Macher haben das nicht mit dem Gedanken konstruiert, dass man die Sonnenblende öfters ausbauen muss. In der Praxis, muss ich diese aber alle paar Tage sauber machen. Dabei habe ich mir schon öfters das Plastik unter die Fingernägel gestoßen, was nicht gerade angenehm ist.

Das Visier

Das Visier hingegen, lässt sich sehr leicht ausbauen. Ein Griff mit 2 Händen genügt und es ist in einer Sekunde gelöst. Im Haupt Visier befindet sich eine Pinlockscheibe, welche wirklich Goldwert ist. Ohne diese Scheibe wäre das Visier in der kalten Jahreszeit ständig beschlagen. Das Pinlockvisier lässt sich sehr leicht aus dem Hauptvisier herausnehmen. Beim wieder einsetzen, muss man darauf achten, dass die Position stimmt, da bei falschen Sitz Regenwasser zwischen die zwei Visiere kommen kann. Das Pinlockvisier Hat eine besondere Schicht drauf und ist damit besonders kratzempfindlich – also auf keinen Fall anfangen, darauf zu reiben, oder mit einem trockenen Tuch versuchen etwas abzuwischen.

Mein persönlicher Pflegehinweis für das Visier ist, diese unter lauwarmem Wasser mit Spülmittel abzuwaschen und dann mit der Küchenrolle trocknen. scharfe Mittel, wie man sie im Motorradzubehör bekommt, sollte man nicht auf das Pinlockvisier anwenden.

Beim Aufklappen des Visier, rastet dieses in verschiedenen Positionen ein. Bei der 1. Position bleibt das jedoch erst nach ca. 3 cm stehen. Das empfinde ich jedoch oft als ein wenig zu viel. Ich wünschte er würde schon nach 1 cm einrasten, denn insbesondere wenn es regnet und man nicht schnell fahren kann, weil man sich in der Stadt befindet, wäre das eine ganz gute Position. Auch kommt hinzu, dass die Position der 3 cm dafür sorgt, dass der Regen schon von oben oder das Visier tropfen kann. Und wenn es dann innen nass ist, hilft nur noch ein Tuch zum Trocknen. Ein Schutz, damit das nicht passiert, wäre nicht schlecht. Es wäre schön, wenn sich die Firma Schubert dieser Problematik annehmen könnte.

Das komplette Schließen des Visiers ist scheinbar nicht allen Fahrern begannt. So traf ich auch einen Rider, der sich darüber beklagte, dass Regen reinkommt. Ja das stimmt, wenn man nicht weiss, dass es noch mehr zu geht. Wenn es unten aufliegt, kann ich mit 4 Fingern von oben anliegend, dieses kräftig nach unten ziehen und es macht noch mal „klack“. Dann ist es richtig zu. Ich finde das etwas schlecht gelöst, weil es kein Vorgang ist, den man an jeder Kreuzung wiederholen will.

Als Kritikpunkt an dem Visier, muss man leider die starke Kratzempfindlichkeit hervorheben. Wie schon erwähnt, betrifft das insbesondere die Pinlockscheibe. Bei den Bewertungen des Visiers zum Beispiel bei Louis.de, sieht man, dass leider sehr viele Kunden dieser Meinung sind und es entsprechend sehr schlecht bewerten. Der hohe Preis für den Austausch gegen ein neues Visier, spielt dabei sicherlich eine große Rolle.

Ich selbst fahre ja bereits ein Jahr mit dem Helm und mußte es mir auch schon neu kaufen – das komplette Visier mit Pinlockscheibe. Ich war aber auch nicht sehr erfreut, dass schon das Abziehen der Schutzfolie vom Pinlockvisier seine Spuren hinterlassen hat.

Trage Gefühl; ich glaube das ist sehr individuell. Und ich denke nicht, dass sich hier der C3 von einem günstigen Helm unterscheidet. Entweder passt der Oder er passt nicht. Da mir die anderen, günstigeren Modelle, einfach nicht gepasst haben, wurde es der C3.

Ich finde, dass der C3 eine hervorragende Schallisolierung hat. Was bedeutet, dass es im Inneren sehr ruhig wird. Ich habe jedoch auch von Personen gelesen, die etwas anderes berichten. Dies kann selbst verständlich an der Kopfform liegen, denn wenn der Helm nicht richtig passt, schließt er eben nicht so ab, wir gedacht ist.

Lüftung

Empfinde ich auch als wirklich gut gelöst. Ich trage den Helm bei über 30° und auch bei 0°. Natürlich wird es im Sommer im Helm auch sehr warm, es ist ja keine Klimaanlage eingebaut. Aber das Lüftungskonzept sorgt dafür, dass das mit Fahrtwind immer angenehm bleibt. Dazu befindet sich zum einen vorne unter den bisher eine Klappe, die man öffnen und schließen kann. Und zum anderen oben auf dem Helm ein Lufteinlass, den man auch öffnen und schließen kann. Ich glaube auf der Internetseite von Schubert wurde etwas mehr auf deren Lüftungskonzept eingegangen. Zu dem Lüftungseinlass vorne unter dem Visier gibt es jedoch etwas zu bemängeln: Innerhalb des Helms befindet sich bei den Lüftungsschlitzen in der Mitte ein kleiner Steg. Dieser sorgt jedoch auch für eine Unterbrechung der Luftzufuhr an dieser Stelle. Und das wird besonders im Winter deutlich, da der Helm an genau dieser Stelle trotz Lüftung weiter beschlagen bleibt. der Steg dient zum Verschluss des Visiers, aber das sollte hier anders gelöst werden.

Polsterreinigung

Ich war richtig erstaunt, dass der Helm relativ lange noch gut gerochen hat. Und ich muss sagen, dass sich im Sommer, im Stadtverkehr, schon sehr viel in dem Helm geschwitzt habe. Ich vermute, dass in den Polstermaterialien, entsprechendes eingearbeitet wurde, dass diese nicht zu schnell riechen. Aber irgendwann ist es dann einfach soweit und er muss gründlich gereinigt werden.

Ja es ist möglich, die Polster des Helms zu reinigen. ich weiß nicht, ob das bei Billighelmen auch funktioniert, aber bei einem Helm dieser Preisklasse wäre es eine Katastrophe, wenn das nicht möglich wäre. Es ist leider etwas Arbeit alle Polster auszubauen. Aber einmal im Jahr kann man das schon machen. Zwischendrin habe ich es auch mal mit Polsterschaum versucht, bin jedoch wenig begeistert davon, weil dieser einen unangenehmen Geruch hinterlässt. Und natürlich kann Polsterschaum das Polster nicht wirklich waschen, das kann nur Wasser. Die Polster habe ich nach dem Ausbau einfach in die Waschmaschine getan und bei einem schonenden Waschgang mit Spezial Waschmittel, das für Funktionskleidung geeignet ist, gewaschen. Danach einfach an der Luft trocknen lassen, und wieder einbauen. Wenn die Polster aus dem Helm entfernt worden sind, kann man die Innenwand des Helms mit einem nassen Schwam abtreiben. Es dauert natürlich etwas, bis der Helm dann wieder getrocknet ist. Ich denke, dass man etwa 3 Tage einplanen muss, in denen man den Helm nicht verwenden kann. Es gibt leider ein paar Elemente, die man nicht ausbauen kann.

Es lässt sich übrigens auch die Abdeckung oben auf dem Helm entfernen, unter der sich die Belüftungsschlitze befinden. Das sollte man in dem Zusammenhang auch unbedingt tun, da sich hier wirklich Straßendreck sammelt.

Neon Gelb

Ich selbst habe den Helm in Neon gelb – natürlich aus Sicherheitsgründen. Meine Erfahrung mit der Farbe ist sehr positiv, man wird wirklich viel besser wahrgenommen. Ich finde es jedoch von Schubert nicht in Ordnung, dafür einen soviel höheren Preis zu verlangen – Das ist nicht sehr förderlich, Motorradfahrer zu sichererer Kleidung (Farbe) zu bewegen.

Auch hat leider das Gelb nicht mehr die Leuchtkraft wie vor einem Jahr. Das wird besonders deutlich, wenn man die obere Abdeckung entfernt, weil das Gelb darunter, noch nicht beeinflusst durch Sonnenlicht, noch wesentlich heller ist.

Freisprecheinrichtung

Es gibt von Schubert auch ein passendes Bluetoothheadset, das sich hervorragend in den Helm integrieren lässt. Dazu wird der Kragen komplett ausgetauscht, gegen einen, indem das Headset eingebaut ist. Das Headset lässt sich ohne Probleme mit diversen Navigationsgeräten oder Telefonen koppeln. Ich kann die Funktion bestätigen für den Tom Tom Urban Rider und das iPhone. Durch das Headset hat man ein Mikrofon vor den Mund, das an einem kleinen Schwanenhals befestigt ist. Am Anfang empfand ich dies als eine sehr schlechte Lösung. Ich habe mich richtig geärgert, weil die Position des Mikrofons jedes Mal neu ausgerichtet werden muss, wenn ich den Helm geschlossen haben hatte. Auch lässt sich der Helm damit nicht einfach schließen, ohne dass das Mikrofon etwas verschoben wird. Denn alleine durch das aufsetzen des Helms, wird die Position des Mikrofons verändert. Ich finde, wenn man schon eine so gut integrierte Lösungen entwickelt, wäre es vielleicht interessant, das Mikrofon auch direkt in den Helm zu einzubauen. Diese Variante hätte natürlich zur Folge, dass der Klappmechanismus dann aber auch geschlossen sein müsste, damit man sprechen kann. Mittlerweile habe ich mich jedoch daran gewöhnt, dass ich nach jedem aufsetzen, mit einer Hand von oben durch das offene Visier, in den hellen greife und das Mikrofon an die richtige Stelle drücke.

Die Empfindlichkeit des Mikrofons und die Audioverarbeitung ist wirklich hervorragend. Meine Gesprächspartner haben mir gesagt, dass sie mich wirklich sehr gut verstehen, obwohl ich mit weit über 100 km/h auf der Autobahn fuhr. Ab diesem Tempo wird es allerdings allgemein so laut, dass man den Gesprächsteilnehmer nicht mehr gut versteht. Die verwendeten Lautsprecher sind leider von schlechter Qualität. Der Klang der Lautsprecher ist einfach sehr schlecht. Falls man versucht, damit Musik zu hören, wird man so enttäuscht, dass man das einfach sein lässt. Für die Sprachwiedergabe sind sie jedoch ausreichend. Ich musste mich bereits sehr ärgern, dass gleich am Anfang einer der Lautsprecher angefangen hat, zu „brösel“. Er war einfach kaputt gegangen. Ich habe mich dann über meinen Verkäufer an Schubert gewendet, um das reparieren zu lassen und wurde dabei leider ziemlich enttäuscht, weil die Reparatur ca. 2-3 Monate gedauert hat. Da der Service einer der Hauptgründe ist, weshalb man sich einen Helm von Schubert kauft, ist so eine Wartezeit absolut inakzeptabel. Umso mehr, da das Headset auch hochpreisig ist.

Mittlerweile ist das Headset wieder kaputt gegangen, diesmal schaltet es sich immer wieder aus.

Die theoretischen Funktionen des Headsets sind umfangreich. Nur leider ist die Bedienung des Headsets so schlecht gelöst, dass man wahrscheinlich nicht spontan in der Lage ist verschiedenste Funktionen, wie beispielsweise Radio, aufrufen zu können. Es sei denn man führt ständig die dicke Bedienungsanleitung mit sich. Ich habe es aufgegeben und beschränke mich nur noch auf das ein und ausschalten. Was ich total vermisse, ist die Möglichkeit einen Anruf mit einer beliebigen Taste am Headset anzunehmen. Es bietet 5 Tasten, bei der man nun genau die Richtige treffen muss, wenn jemand anruft – Und das mit einem Handschuh. Da man die Firmware des Headsets aktualisieren kann, hoffe ich, dass dies einmal gelöst wird. Bis dahin nutze ich die unabhängige Funktion des Navigationsgerätes. Die Frequenzen der genutzten Radiosender, lassen sich übrigens durch die passende Software einstellen (nur Windows). Aber da die Lautsprecher sowieso nicht gut klingen, nutze ich die Radiofunktion gar nicht. Meine Tests haben auch gezeigt, dass die Sender, auch in der Stadt, nur schlecht reinkommen.

Dass das Headset nicht in alle Schuberthelme passt finde ich sehr ärgerlich, da man sich damit wieder an den C3 binden muss, wenn man nicht alles neu kaufen will.

Sicherheit

Darüber kann ich natürlich nicht viel sagen, insbesondere weil ich selbst noch keinen Unfall mit dem Helm erlebt habe. Darum kümmern sich professionelle Tests. Es gibt bei Helmen verschiedene Materialien, wobei ich mir sagen hab lassen, dass die verwendeten Materialien bei Schubert C3 eben ein entscheidender Unterschied zu einem billig Helm sind. Wie oben schon erwähnt, empfinde ich die neongelbe Farbe als Sicherheitsfaktor.

Fazit

Der Schubert C3 ist ein ziemlich teurer Helm, der kaum Wünsche offen lässt. Wirklich sehr gut. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass man für etwas weniger Geld, vergleichbar gute Helme bekommt. Meine Erfahrung mit dem Service, im Zusammenhang mit der Freisprecheinrichtung, würde mich definitiv zögerlich stimmen, mir nochmal einen Helm von Schubert zu kaufen. Falls man aber für 200 € weniger nichts vergleichbares findet, würde ich wahrscheinlich wieder den C3 nehmen, weil ich weiß, dass er gut ist.

Die Preisdifferenz zwischen den verschiedenen Farben muss Schubert auf einen nachvollziehbares Maß reduzieren. Die Reaktionszeit im Service muss auch unbedingt verbessert werden. Die Argumentation, dass es lange dauert, weil „es Saison ist“, kann ich nicht gelten lassen. Die Kratzempfindlichkeit der Visiere (alle 3 Teile), ist leider sehr hoch. Man kann damit rechnen, dass man ein komplettes Set an Visieren, schon nach einem Jahr kaufen muss. Das sollte bei so einem Helm eigentlich nicht nötig sein.

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